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Der neue Trainer Heinz Braun (l.) erklärt den Spielern Kevin Sax (M.), Elyess Bounatouf und Amadou Dioum (r.), wo es langgeht. Sport-Vorstand Jürgen Sax (2. v. l.), der interessiert zuhört, muss noch einen neuen Stürmer suchen, da Neuzugang Dioum den KFV wieder verlässt, um in Litauens 1. Liga Profi zu werden.

Nach zwei Jahren blanker Brust ziert Hertrich Abbruch die Trikots des Fußball-Verbandsligisten Kehler FV. Trotz des Schriftzuges und der verpassten Rückkehr in die Oberliga herrscht Aufbruchstimmung beim KFV, der elf neue Spieler, davon sieben aus der A-Jugend, und Heinz Braun als neuen Trainer hat. Auch zwei Dämpfer kurz vor dem Saisonstart am Samstag ändern daran nichts.

Die vergangene Saison verlief für den Kehler FV enttäuschend. Viel zu spät präsentierte sich der KFV auf dem Platz als Mannschaft, so dass das angestrebte Ziel direkter Wiederaufstieg in die Oberliga schon früh Makulatur war. Kurz vor Saisonschluss schmiss dann auch noch Trainer Alexander Hassenstein vorzeitig die Brocken hin. Die erste Verbandsliga­spielzeit nach acht Jahren Oberliga ist aber inzwischen beim Kehler FV aufgearbeitet und abgehakt. »Der Blick geht nach vorne«, zieht Sport-Vorstand Jürgen Sax einen Schlussstrich.

Heinz Braun erfahrener Trainer

Mit Heinz Braun kam ein erfahrener Trainer. Für den 53-jährigen Offenburger, der zuletzt den SV Ohlsbach zwei Jahre trainierte, ist die Verbandsliga zwar Neuland, doch 2014 schaffte er mit dem SC Offenburg den Aufstieg in Südbadens Fußball-Oberhaus. Außerdem kenne ich einige Spieler aus meiner Zeit als Jugendtrainer beim Offenburger FV«, ergänzt Heinz Braun.

Talentschuppen
Insgesamt elf neue Spieler kamen, um Abgänge wie von Torwart Florian Streif zum Liga-Konkurrenten Offenburger FV oder von Innenverteidiger und Kapitän David Halsinger als Spielertrainer zum SV Gengenbach zu kompensieren. Dabei wurde vor allem auf die Jugend gesetzt wie schon während der Saison, als Mohamed Kateb und Mohamed Cherief (beide zum FC Vauban) ersetzt werden mussten. Von den Neuzugängen kommen sieben direkt aus der A-Jugend – und auch Petrit Muslija vom Oberligisten SV Oberachern ist noch ein ganz junger Mann fürs Kehler Mittelfeld. »Alles Spieler mit Per­spektive«, hat Jürgen Sax Spaß am Talentschuppen des KFV.

Aber auch Erfahrung wurde in den Kehler Kader geholt: Daniel Künstle kam zurück vom SV Linx und wird neue Nummer eins. Ebenfalls aus Linx kam Robert Hartfiel als Innenverteidiger neben Anis Bouzian, Benjamin Schaeffler oder Kapitän Stefan Laifer. Und den Angriff soll Elyess Bounatouf verstärken. Am Landesliga-Aufstieg des VfR Willstätt hatte der Stürmer vergangene Saison mit 19 Toren einen entscheidenden Anteil.

»Viel mehr Harmonie«
Akzente auf der Sechser-Position setzt mit seinen erst 19 Jahren bereits Nicolas Rios. Über den Karlsruher SC, Sandhausen und die Würzburger Kickers landete der Fußballer mit argentinischen Wurzeln bereits Mitte letzter Saison beim KFV. »Er ist unheimlich präsent. Zweikampf- und kopfballstark. Wenn er aus der Tiefe kommt, haben wir noch mal eine Waffe«, ist Heinz Braun, dessen 29-jähriger Sohn Sandrino bei Preußen Münster in der 3. Liga spielt, angetan von seinem »Sechser«. 
»Wir haben viel mehr Harmonie im Kader als im Vorjahr, und das Engagement ist riesig. Alle ziehen voll mit«, lautet das positive Fazit von Jürgen Sax nach sechs Wochen Vorbereitung. Und Kapitän Stefan Laifer stößt ins gleiche Horn: »Es macht mega Spaß. Die Mischung aus Alt und Jung stimmt«, sagt der 31-Jährige, der schon im neunten Jahr beim KFV kickt. Gemeinsam mit Benjamin Göhringer (noch 29) und Kevin Sax (30), die zu den besten Mittelfeldspielern in der Ortenau zählen, und dem »Sechser« beziehungsweise rechten Außenverteidiger Aaron Zimmerer steht Laifer mehr denn je als Führungsspieler in der Verantwortung.

Samstag in Bad Dürrheim
»Ich bin optimistisch, dass wir eine gute Rolle spielen und für die eine oder andere Überraschung sorgen können«, blickt Heinz Braun dem Saisonstart am Samstag beim FC Bad Dürrheim erwartungsfroh entgegen. »Platz fünf bis sieben lautete unser Saisonsziel«, ergänzt Jürgen Sax.

Zwei Rückschläge
Daran ändert auch nichts der kurzfristige Abgang von Amadou Dioum. Der Stürmer, der zuletzt in Paris an einer Akademie und zuvor schon in der Kehler B-Jugend unter Sax als Trainer spielte, war als Mittelstürmer fest eingeplant und eine »echte Rakete« (Braun). Doch am vergangenen Freitag, einen Tag vor dem Pokalspiel beim Landesligisten VfB Bühl, verkündete der 22-jährige Franzose, der aus dem Senegal stammt, dass er den KFV wieder verlässt, um nach Litauen in die 1. Liga zu wechseln. »Das ist für uns schade, doch für ihn eine einmalige Chance«, hat Jürgen Sax Verständnis für die Dioum-Wahl. Dass am Tag drauf auch noch der südbadische Pokal-K.o. mit 1:2 beim Landesligisten VfB Bühl, dem neuen Verein von Ex-Trainer Hassenstein, folgte, tat doppelt weh.

Keine Panik
Panik macht deshalb beim KFV keiner. Zum einen, weil Jürgen Sax guter Dinge ist, in Frankreich noch kurzfristig einen starken Stürmer zu finden. Und zum anderen, weil in Bühl der KFV »vieles gut gemacht hat«, wie Heinz Braun betont. »Wir waren klar besser, haben nur unsere Tore nicht gemacht und zweimal schlecht verteidigt.« Mund abputzen und gut starten, lautet deshalb seine Devise für den Saisonauftakt am Samstag beim FC Bad Dürrheim. Anschließend kommt Denzlingen zum ersten Heimspiel ins Rheinstadion. Der Vorjahres-Dritte ist neben dem Freiburger FC Brauns Topfavorit für die Meisterschaft.

Autor: Rüdiger Rüber